Anfrage des Stadtratsmitgliedes Herrn Suck - Verkehrskonzept Karlsplatz

Betreff
Anfrage des Stadtratsmitgliedes Herrn Suck - Verkehrskonzept Karlsplatz
Vorlage
AF-0424/2018
Art
Anfrage

II. Fragestellung

 

1.       Der Lärmplan erfasst die Schillerstraße nicht.

Gibt es Untersuchungen zu der zu erwartenden Lärm- und CO2-Erhöhung (auch staubedingt) im Bereich Schillerstraße/Nikolaistraße nach der Neuregelung der Verkehrsführung, die nachweist, dass die maximalen Lärmwerte dauerhaft eingehalten werden können? Wenn noch nicht, ist dies noch geplant?

2.       Wie viele zentrumsnahe Parkplätze werden erneut wegfallen, wenn das Verkehrskonzept unverändert umgesetzt wird, und wie viele gesunde Bäume müssten in der Schillerstraße /Nikolaistraße gefällt werden?

3.       Welche wissenschaftlichen Untersuchungen sprechen gegen den Vorschlag zur Verkehrsführung des Mäzens Fritz Walther? Wodurch wird seine Idee, die noch mehr zur Entlastung des Karlsplatzes führt, aus Sicht der Verwaltung undurchführbar?

1.   Der Lärmaktionsplan (LAP) erfasst die Schillerstraße nicht direkt, da dafür die Verkehrsbelastungen zu gering sind (siehe LAP, S. 3). Auch mit der von der Fachverwaltung vorgeschlagenen Verkehrslösung am Karlsplatz bleibt die Verkehrsbelastung mit voraussichtlich maximal 6.000 Kfz unter den 8.200 Kfz pro Tag, die für eine realitätsnahe Kartierung zwingend erforderlich wären. Indirekt soll darüber hinaus mit der Förderung des Fuß- und Radverkehrs das Verkehrsaufkommen in Eisenach insgesamt reduziert werden.

 

Folglich gibt es auch keine auf den LAP aufsetzende Lärmbilanz für den Zeitpunkt nach der geänderten Verkehrsführung. Da zukünftig von einer Reduzierung der Immissionswerte (Lärm und Schadstoffe) für die gesamte Innenstadt auszugehen ist (siehe Abwägungsprozess und fachliche Begründungen der Stadtratsvorlage zur Verkehrslösung Nr. 1151-StR/2018, Anlage 2), würden alle Bilanzierungen durchgehend positiv ausfallen. Aus diesem Grund wird eine Bilanzierung für nicht notwendig erachtet und nicht vorgesehen.

 

Die Schillerstraße verfügt über einen außerordentlich komfortablen Straßenquerschnitt, der Baukorridor ist an der engsten Stelle noch deutlich über 15 Metern breit (Vergleich: sozialer Wohnungsbau Alexanderstraße 8,5 Meter), der Straßenraum ist mit viel Grün strukturiert. Ein Verkehrsaufkommen von 6.000 Kfz/ 24 h ist für eine Innenstadtstraße akzeptabel und wird voraussichtlich zu keinen wesentlich störenden Verlärmungen im Bereich der sozialen Einrichtungen führen, die den Pegel des bereits vorhandenen Bahnlärms näherungsweise erreichen. (Die Kartierung ist unter www.laermaktionsplanung-schiene.de abrufbar.)

 

Auf der anderen Seite erfüllt die Schillerstraße gemäß LAP auch heute schon nicht die Kriterien für ein ausgewiesenes „Ruhiges Gebiet“ (siehe LAP, S. 27ff.).

 

2.   Nach Prüfung der notwendigen Schleppkurven für einen üblichen Gelenkbus des Verkehrsbetriebes VUW, von der Schillerstraße in die Nikolaistraße einbiegend, würden maximal ein Baum sowie 2-3 Stellplätze entfallen. Die abschließende Beurteilung ist erst nach einer durchzuführenden Testfahrt möglich. Weitere Optimierungen der Schleppkurve könnten dazu führen, dass sogar nur ein Parkplatz entfallen muss.

 

3.   Die von Herrn Walther vorgeschlagene Optimierung der Innenstadtdurchfahrung wird zu keinerlei verkehrsberuhigenden Effekten im Sinne einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Stadtraum, der Verkehrssicherheit von Fußgängern und Radfahrern oder der Qualität des öffentlichen Nahverkehres führen. Eine Entlastung würde nur für die Fahrzeugführer entstehen, die dann auf direktem, kurzem und ungestörten Wege die Innenstadt durchfahren können, nicht aber ein Zugewinn für den Karlsplatz als Ort urbanen Lebens und touristischen Erlebens. Zeitgemäße Verkehrsplanung hat die autogerechte Stadt hinter sich gelassen und verfolgt nun andere, weniger autoaffine Zielsetzungen. Der gedankliche Ansatz des Herrn Walther findet daher keine Zustimmung. Aus fachlicher Sicht sollte die alternative Führung über Hauptverkehrsstraßen gestärkt und unnötiger Durchgangsverkehr durch die Innenstadt vermieden werden. Dadurch lassen sich in den beengten Straßenräumen der Altstadt Immissionen vermeiden und eine sichere und lebenswertere Innenstadt gestalten.

 

Viele Städte, z. B. Erfurt, Mühlhausen und Bad Langensalza, haben bewiesen, dass weniger Verkehr Innenstädte attraktiv und vital macht und sie durch Verkehrsberuhigung bei der Lebensqualität deutlich hinzugewinnen konnten.